
Warum feiern so viele Jugendliche die 187 Straßenbande, obwohl ihr Image so stark auf Gewalt, Frauenverachtung und dieses ewige harte Auftreten setzt? Warum wird aus Rücksichtslosigkeit plötzlich etwas Cooles gemacht, aus Sexismus ein Stilmittel und aus einem kaputten Männerbild ein Erfolg, den Millionen Menschen mittragen? Genau das macht dieses Thema so schwer auszuhalten weil es nicht nur um Musik geht, sondern um ein Denken, das viel tiefer reicht.
Bei der 187 Straßenbande geht es längst nicht mehr nur um Rap. Es geht um ein Bild von Männlichkeit, das laut, aggressiv und überlegen wirken will, und um Inhalte, in denen Frauen viel zu oft reduziert, objektifiziert werden und man sie nicht Ernst nimmt. Und das Schlimme ist Genau dieses Auftreten wird nicht nur konsumiert, sondern auch noch gefeiert, als wäre es ein Zeichen von Stärke.
Mich stört daran vor allem, wie normal das geworden ist. Als wäre es völlig okay, wenn Gewalt und Sexismus als Teil der Unterhaltung durchgehen, solange der Beat stimmt und das Image hart genug wirkt. Aber was sagt es über uns aus, wenn Männer mit genau so einem Bild so groß werden und Millionen Menschen dabei einfach mitmachen?
Wer hinter der 187 Straßenbande steckt
Die 187 Straßenbande ist eine Rap-Crew aus Hamburg, zu der Bonez MC, Gzuz, Maxwell, LX, Sa4 und Jambeatz gehören. Bonez MC ist das bekannteste Gesicht, Gzuz steht für die harte und aggressive Außendarstellung, Maxwell, LX und Sa4 bilden den festen Kern, und Jambeatz prägt den Sound mit. Schon diese Zusammensetzung zeigt, dass es hier nicht einfach um eine Musikgruppe geht, sondern um eine klar inszenierte Männerwelt, die nach außen sehr geschlossen auftritt. Ich persönlich finde nicht, dass man dieser Gruppe irgendeinen Kultstatus zuschreiben sollte. Was hier als cool, echt oder unangepasst verkauft wird, ist für mich vor allem ein ziemlich altes und ziemlich lästiges Männerbild: laut, dominant, rücksichtslos und stolz darauf, keine Verletzlichkeit zu zeigen. Genau das macht die Gruppe für viele so wirksam, weil sie ein Bild von Männlichkeit anbietet, das einfach zu verstehen ist und sofort nach außen funktioniert. Aber einfach heißt nicht gut. Und laut heißt nicht stark.
Der Erfolg der 187 Straßenbande hat viel damit zu tun, dass sie ein sehr klares Image aufgebaut hat. Sie verkaufen nicht nur Musik, sondern ein Gefühl von Härte, Loyalität und Abgrenzung. Das wirkt auf viele junge Männer attraktiv, weil es ihnen eine Art Orientierung gibt: So soll man angeblich auftreten, so soll man reden, so soll man sich durchsetzen. Besonders problematisch finde ich daran, dass dieses Ideal immer wieder mit Abwertung verbunden ist vor allem mit Abwertung von Frauen. Frauen werden in solchen Bildern oft auf Körper, Sexualität oder bloße Funktionen reduziert, und genau das ist keine Nebensache, sondern Ausdruck eines zutiefst patriarchalen Denkens. Für mich ist das auch der eigentliche Grund, warum solche Gruppen so viel Anziehungskraft haben. Sie bieten keine echte Stärke, sondern eine Pose. Keine Reife, sondern ein Verhalten, das Unsicherheit in Aggression verwandelt. Junge Männer greifen das auf, weil sie darin ein scheinbar klares Rezept für Männlichkeit finden: keine Gefühle zeigen, nicht weich wirken, immer die Kontrolle behalten, Frauen klein halten, alles Verletzliche verachten. Das ist kein zufälliger Stil, sondern ein Weltbild. Und genau dieses Weltbild prägt, wie über Beziehungen, Grenzen und Respekt gedacht wird. Ich finde es besonders wichtig, das aus feministischer Sicht deutlich zu benennen, weil solche Bilder nicht harmlos sind. Sie normalisieren Frauenverachtung, sie machen Rücksichtslosigkeit attraktiv, und sie lehren junge Männer, dass Dominanz etwas Erstrebenswertes sei. Dazu kommt, dass auch Homophobie und allgemeine Menschenverachtung in diesem Milieu oft mitlaufen, selbst wenn Frauenfeindlichkeit für mich der zentrale Punkt bleibt. Das Ganze wirkt rebellisch, ist aber am Ende nur die alte patriarchale Logik in einer lauten, modernen Verpackung. Genau deshalb sollte man das nicht als Kult feiern, sondern als das benennen, was es ist: ein sexistisches, enges und ziemlich erbärmliches Männerbild.
Gewalt, Straftaten und Skandale
Bei der 187 Straßenbande geht es nicht nur um Musik, sondern um eine lange Reihe von Straftaten, Vorwürfen und öffentlichen Skandalen. Genau das ist auch der Grund, warum diese Gruppe immer wieder Schlagzeilen macht: Gewalt, Drogen, Waffen, Beleidigungen und sexistische Ausfälle gehören bei ihnen nicht einfach zufällig dazu, sondern werden ständig mit ihrem Auftreten verknüpft. Ich finde das nicht „kontrovers“, sondern schlicht ein Muster aus Täterschaft, das öffentlich immer wieder durchgeht.
Bonez MC

Bonez MC hat 2014 eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz bekommen, 9 Monate auf Bewährung und 1 Jahr Bewährungszeit. 2016 folgte Urkundenfälschung, diesmal mit 11 Monaten auf Bewährung und 2 Jahren Bewährungszeit. 2019 gab es nach einem Konzert in München eine Razzia mit 22 Anzeigen wegen Drogen, Diebstahl, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Fahrt unter Drogeneinfluss. 2023 kamen dann noch Schwarzfahren mit einem Bußgeld bis 70 Euro und eine Hausdurchsuchung wegen eines Instagram-Posts mit Geld und Drogen dazu.
Für mich ist Bonez aber nicht nur wegen dieser Verfahren problematisch, sondern vor allem wegen der Art, wie er öffentlich über Frauen und queere Menschen spricht. Bei Seinem frauenfeindlichem instagram-Post von 2020 hat er auch noch die Schuld für Sexualisierung uns Frauen zugeschoben Dazu kommen homophobe Zeilen wie „Deutscher Rap ist gay geworden“ und der Track „Shotz Fired“, in dem Begriffe wie „Schwuchtel“ als Beleidigung benutzt werden. Das ist ist einfach nur ekelhaft und patriarchal. Knastzeit: 0 Jahre, nur Bewährung.
Gzuz

Gzuz hat 2010 wegen räuberischen Diebstahls 3 Jahre und 6 Monate Haft bekommen. 2017 wurde er wegen eines Gewaltverbrechens verhaftet, 2018 folgte eine Razzia mit Drogen, Waffen und Sprengstoff, darunter Marihuana, Haschisch, Crystal Meth, Feuerwerkskörper und eine Schreckschusspistole. 2019 kamen sexuelle Belästigung beim Splash!-Festival und häusliche Gewalt gegen seine Ex-Freundin Lisa dazu, die sagte, er habe sie geschlagen und an den Haaren durch die Wohnung gezerrt. 2020 folgten eine Ohrfeige auf einen Fan und ein versuchter Diebstahl, später eine Verurteilung zu 1,5 Jahren Haft wegen Waffen, Drogen, Diebstahl und Körperverletzung, die in der Berufung auf 8 Monate reduziert wurde. 2023 kam erneut eine Verurteilung wegen Körperverletzung, Waffen und Sprengstoff mit 8 Monaten und 2 Wochen Haft sowie 414.000 Euro Geldstrafe. 2025 folgten weitere Verfahren, 75.000 Euro Geldstrafe und neue Anklagen.
Bei Gzuz ist die Gewalt gegen Frauen nicht zu übersehen. Das ist nicht irgendein „ausrastender Typ“, das ist ein Mann, der immer wieder Frauen verletzt, belästigt und erniedrigt hat. Und genau das wird dann noch als Teil seines Images verkauft. Das ist die Logik dahinter: Frauen zählen weniger, männliche Gewalt wird zur Pose gemacht, und am Ende soll das Publikum auch noch glauben, das wäre irgendwie echt oder authentisch. Ist es nicht. Es ist Täterschaft. Knastzeit: mehr als 4 Jahre.
Maxwell

Maxwell wurde 2017 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 4 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1 Jahr Bewährungszeit verurteilt. 2020 folgte eine Geldstrafe von 20.000 Euro wegen Drogen- und Waffenbesitzes, darunter Marihuana, Kokain, Schlagring und Einhandmesser. 2021 wurde er wegen Beleidigung mit 70 Tagessätzen bestraft, nachdem er Polizisten als „SPASTIS“ bezeichnet hatte. 2023 kamen weitere Vorfälle wegen Beleidigung und Körperverletzung dazu.
Dazu kommen die sexistischen Zeilen, die Frauen auf Sexualität und Erniedrigung reduzieren. In „Peinlich“ heißt es: „Deine Schlampe geht nicht ran, weil sie lutscht an mei’m Schwanz“. In „Goldene Zeiten“: „Ich fick’ deine Alte gescheit auf dem Rasthof“. In diesen Zeilen werden Frauen nicht als Menschen behandelt, sondern als Material für billige Sprüche und männliche Selbstdarstellung. Das ist nicht kreativ, das ist einfach nur frauenverachtend. Knastzeit: 0 Jahre.
Sa4

Sa4 wurde 2018 wegen Verkehrsgefährdung verurteilt, 2024 folgte ein Strafbefehl über 60.000 Euro wegen leichter Kriminalität. Schon 2018 gab es eine Razzia wegen Waffen aber es wurde nichts gefunden. 2025 wurde sein Mercedes beschädigt, dabei war er selbst das Opfer und nicht der Täter. Auch wenn bei ihm weniger vorgefallen ist als bei anderen, gehört er trotzdem klar zu diesem Kollektiv.
Auch bei Sa4 läuft die abwertende Sprache über Frauen mit. In „International“ heißt es: „Baller’ ein paar Huren weg aus Budapest und Bukarest“. Das ist Frauenverachtung in Reinform. Und genau das ist bei der 187 so wichtig: Es ist nicht nur ein einzelner Ausrutscher, sondern ein ständiges Mitlaufen in derselben Denkweise. Knastzeit: 0 Jahre.
LX

LX war schon vor 2012 als Jugendlicher mehrfach straffällig. 2012 wurde er wegen Körperverletzung und mehrerer Gewaltdelikte zu 22 Monaten Haft verurteilt. 2015 folgten erneut 22 Monate Haft wegen mehrerer Gewaltdelikte, inklusive Untersuchungshaft, Freigang, Verstößen gegen Auflagen und erneuter Inhaftierung. 2021 kam bei einer Fahrzeugkontrolle in Halstenbek ein weiterer Vorfall dazu: Beleidigungen gegen Polizisten, Drohungen, aggressives Verhalten und der Versuch, eine Waffe zu ziehen. Dafür bekam er 10 Monate auf Bewährung. 2023 wurden außerdem Drogengeschäfte öffentlich thematisiert, auch wenn es dort nicht zu einer Strafverfolgung kam.
In seinen Songs tauchen natürlich auch wiederholt abwertende Zeilen auf, die Frauen sexualisieren und erniedrigen. Knastzeit: 3 Jahre und 8 Monate
Jambeatz
Jambeatz ist der Produzent der Gruppe und damit der Mann, der den Sound für dieses ganze Konstrukt liefert. Er hat selbst keine bekannten Verurteilungen, war aber 2023 bei einer Razzia im Umfeld der 187 Straßenbande mitbetroffen, ohne dass daraus für ihn selbst eine Strafe entstanden wäre. Er steht nicht vorne, aber er gehört trotzdem zu dem System.
Und das ist eben nicht egal. Wer den Sound für eine Gruppe produziert, deren Texte und Auftreten auf Frauenverachtung, Härte und Dominanz aufgebaut sind, trägt dieses Bild mit. Knastzeit: 0 Jahre.
Das Bittere ist, dass all das ihrer Karriere kaum schadet. Gewalt, Drogen, Waffen, Sexismus und homophobe Sprache werden nicht als Ausschluss gesehen, sondern als Beweis für angebliche Echtheit. Jede neue Schlagzeile hält den Mythos am Leben. Genau so wird aus Täterschaft noch Reichweite gemacht. Und Frauen würden mit denselben Taten und Aussagen nicht so durchkommen. Sie würden viel schneller zerrissen, ausgegrenzt und auf ihr Verhalten reduziert werden. Männer wie diese dürfen sich dagegen weiter als hart, relevant und unangreifbar verkaufen.
Frauenverachtung in der Musik
Frauen werden in dieser Musik nicht einfach schlecht dargestellt. Sie werden entwertet, zerlegt und auf ihren Körper reduziert, bis von einer Person kaum noch etwas übrig bleibt. Genau das ist der Punkt, an dem ich nicht mehr von „derben Sprüchen“ oder „Rap-typischer Provokation“ sprechen will. Das ist Frauenverachtung als Methode. Männer reden über Frauen, als wären sie Besitz, Beute oder ein Mittel, um sich selbst größer zu machen.In vielen dieser Songs geht es immer wieder um das Gleiche: Sex, Verfügbarkeit, Kontrolle, Erniedrigung. Frauen tauchen auf als Trophäen, als Körper, als irgendetwas, das man haben, benutzen oder abwerten kann. Sie handeln nicht selbst, sie sprechen nicht selbst, sie existieren vor allem im Verhältnis zum Mann. Und genau das ist so widerlich daran. Der Mann steht im Zentrum, die Frau darf bestenfalls mitlaufen, meistens aber nur als Objekt. Das ist keine Randnotiz, das ist die Logik dahinter. Besonders eklig ist dieses Muster, in dem männlicher Erfolg direkt mit weiblicher Unterordnung verbunden wird. Der Mann ist laut, reich, hart, durchsetzungsfähig und die Frau wird zur Belohnung, zur Dekoration oder zur austauschbaren Figur gemacht. So wird Männlichkeit aufgewertet, indem Frauen kleingemacht werden. Das ist kein Zufall Das ist ein patriarchales Drehbuch, das seit Jahren immer wieder abgespielt wird: Männer oben, Frauen unten. Männer handeln, Frauen werden bewertet.
Was mich daran so wütend macht, ist die ständige Verharmlosung. Sexismus im Rap wird oft so behandelt, als wäre das halt einfach der Tonfall des Genres. Als müsste man nur ein bisschen härter hören, um zu verstehen, dass das alles nicht so gemeint sei. Aber genau diese Ausrede hält das System am Laufen. Wenn Frauen immer wieder als „Schlampen“, „Huren“ bezeichnet werden, dann ist das kein harmloser Sprachstil mehr. Dann ist das die dauernde Wiederholung derselben Abwertung, bis sie irgendwann normal klingt. Und genau so wird Frauenverachtung salonfähig gemacht.
Das Ganze funktioniert auch deshalb so gut, weil es als Unterhaltung verkauft wird. Ein sexistischer Spruch wird zum Reim, eine Abwertung wird zur Hook, eine Demütigung wird zum Teil des Sounds. Dadurch wirkt das alles leichter, witziger, weiter weg. Aber die Wirkung bleibt trotzdem real. Wenn Sprache immer wieder dieselben Rollen verteilt, prägt sie auch, was Menschen für selbstverständlich halten. Dann ist die Frau nicht mehr die, die mitgemeint ist, sondern die, die herabgesetzt wird. Und genau da liegt das Problem: Diese Musik unterhält nicht nur, sie erzieht auch. Sie erzieht in ein Frauenbild hinein, das auf Reduktion, Verfügbarkeit und Abwertung basiert. Ich finde außerdem, man muss sehr klar sagen, dass das kein Nebeneffekt ist. Diese Frauenfeindlichkeit ist nicht versehentlich irgendwo in den Text geraten. Sie ist Teil des Reizes. Sie macht den Ton aggressiver, den Auftritt härter, die Männer größer. Genau deshalb wird sie so oft mitgefeiert: weil sie die männliche Pose stärkt. Die Frau wird klein gemacht, damit der Mann noch größer wirken kann. Das ist der Mechanismus. Und der ist nicht nur peinlich, sondern offen patriarchal.
Auch die Art, wie das oft über Sexualität läuft, ist kein harmloser Spaß. Frauen werden nicht als Lust, sondern als Verfügbarkeit beschrieben. Nicht als eigenständige Subjekte, sondern als Körper, über die gesprochen wird. Und wenn diese Körper dann noch beschämt, bewertet oder auf ihren „Wert“ reduziert werden, ist das nichts anderes als sprachliche Gewalt. Das wird vielleicht laut, dreckig und cool verpackt, aber es bleibt Gewalt. Und zwar eine, die sich besonders gut versteckt, weil sie als Musik daherkommt.
Dass trotzdem so viele Menschen diese Musik hören, ändert daran nichts. Natürlich kann man Beats mögen, und mann muss trotzdem wissen, dass der Inhalt EXTREM frauenfeindlich ist. Aber man sollte nicht so tun, als wäre das egal. Es ist nicht egal, wenn in einem Kulturraum ständig dieselben abwertenden Bilder über Frauen laufen. Es ist nicht egal, wenn diese Bilder immer wieder als normal oder witzig behandelt werden. Und es ist ganz sicher nicht egal, wenn junge Männer daraus lernen, dass Frauen kleinzumachen irgendwie zum coolen Auftreten dazugehört. Genau deshalb ist dieser Teil so wichtig: Weil er zeigt, dass Frauenverachtung hier nicht nur mitläuft, sondern ein Teil des Produkts ist. Nicht bloß ein Fehler im Text, sondern ein zentraler Bestandteil davon, wie diese Musik funktioniert.
Das kaputte Männerbild dahinter
Ich finde dieses Männerbild nicht nur problematisch, ich finde es richtig kaputt. Bei der 187 Straßenbande geht es um ein Auftreten, das Männern einredet, sie müssten hart, kalt, dominant und dauernd auf Angriff sein, um überhaupt als Männer zu zählen. Gefühle gelten da als Makel, Verletzlichkeit als Schwäche und Empathie als etwas, das man sich lieber abgewöhnt. Für mich ist das kein Ausdruck von Stärke, sondern von Angst. Angst davor, nicht zu genügen, nicht groß genug zu wirken, nicht brutal genug zu sein. Und genau daraus entsteht diese toxische Mischung, die ich so unerträglich finde. Junge Männer bekommen von so einem Bild nicht Orientierung, sondern eine Verengung. Sie lernen, dass sie sich beweisen müssen, indem sie andere kleinmachen. Dass sie ihre Unsicherheit in Aggression verwandeln sollen. Dass Respekt etwas ist, das man erzwingt, nicht verdient. Das ist nicht nur dumm, das ist gesellschaftlich gefährlich, weil es Männer dazu erzieht, gegen sich selbst und gegen andere zu leben. Am Ende sitzen da Typen, die nie lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, sondern nur, sie als Wut rauszulassen.
Homophobie ist in diesem Zusammenhang nicht irgendein Nebensatz, sondern Teil des ganzen Systems. Queere Menschen werden als Beleidigung benutzt, als Gegenbild zu dieser angeblich richtigen Männlichkeit. Als wäre alles, was nicht hart, hetero, aggressiv und unnahbar ist, automatisch minderwertig. Das ist so alt und so erbärmlich, dass es mich wirklich wütend macht. Denn solche Sprache ist nie neutral. Sie markiert Grenzen, sie sortiert Menschen aus und sie stabilisiert ein Männerbild, das nur funktioniert, wenn andere abgewertet werden.
Am Ende ist genau das der feministische Kern der Kritik: Dieses Bild von Männlichkeit lebt davon, Frauen klein zu machen. Es braucht Frauen als Gegensatzfigur, als Objekt, als Beute, als etwas, das bewertet, benutzt oder herabgesetzt werden kann. Frauen sollen in diesem System nicht gleichwertig sein, sondern nützlich, verfügbar oder stumm. Und das ist der Punkt, an dem ich nicht mehr von bloß „harter Szene“ sprechen will. Das ist patriarchale Macht in ihrer dreckigsten Form. Nicht elegant, nicht modern, nicht ironisch einfach nur Frauenverachtung mit Lautstärke. Ich finde es auch falsch, so zu tun, als wäre das nur ein Problem einzelner Aussagen. Es ist ein ganzes Klima. Ein Klima, in dem Gewalt als Präsenz gilt, Dominanz als Charakter und Kälte als Reife. Und dieses Klima ist für Frauen nie neutral. Es setzt die Maßstäbe dafür, wie wir gesehen, bewertet und behandelt werden. Wenn Männer lernen, dass Härte sie aufwertet, dann lernen viele Frauen gleichzeitig, dass ihre Grenzen weniger zählen. Genau deshalb ist das keine bloße Stilfrage, sondern eine Machtfrage.
Mich macht daran vor allem wütend, wie normal das oft noch wirkt. Als müsste man sich an frauenfeindliche und homophobe Männlichkeit einfach gewöhnen, weil sie halt zur Szene gehört. Nein. Muss man nicht. Ich will das nicht verharmlosen und nicht romantisieren. Für mich ist das ein ziemlich klares Beispiel dafür, wie patriarchale Kultur Männer groß und alle anderen klein macht. Und genau deshalb finde ich diese Art von Männlichkeit nicht bewundernswert, sondern gefährlich, peinlich und zutiefst rückständig.
Die Gesellschaft als Teil des Problems
Die 187 Straßenbande ist für mich nicht das eigentliche Zentrum des Problems. Das eigentliche Problem ist, dass eine Gesellschaft solche Männer nicht nur duldet, sondern ihnen auch noch dauernd Aufmerksamkeit, Geld und Bewunderung gibt. Das ist doch der eigentliche Wahnsinn. Da stehen Männer, die Frauen abwerten, queere Menschen verhöhnen, Gewalt zum Stil machen und Straftaten wie ein Accessoire mit sich herumtragen und trotzdem werden sie gestreamt, gefeiert und als relevant behandelt. Das ist nicht einfach nur ein Musikphänomen. Das ist ein Spiegel davon, wie kaputt der Umgang mit männlicher Gewalt immer noch ist. Ich finde diese Doppelmoral wirklich schwer erträglich. Männer dürfen öffentlich verletzen, beleidigen, drohen, schlagen, sexistische und homophobe Scheiße erzählen und werden dafür oft noch als „ehrlich“ oder „authentisch“ gelobt. Als müsste man ihnen gerade dafür Respekt zollen, dass sie keinen Respekt kennen. Und gleichzeitig wird Feminismus ständig als anstrengend, belehrend oder überzogen abgetan, sobald er genau dieses Verhalten benennt. Das ist doch die Verschiebung: Nicht die Gewalt gilt als Skandal, sondern die Kritik daran. Nicht die Täter werden zuerst problematisiert, sondern die Menschen, die sagen, dass das nicht okay ist.
Mich macht daran vor allem wütend, wie leicht die Sprache dafür mitverpackt wird. Gewalt heißt dann „Härte“. Frauenverachtung heißt „direkt“. Homophobie heißt „Provokation“. Drogen und Eskalation heißen „Straßenrealität“. Und genau so wird Täterschaft in etwas umgedeutet, das angeblich einfach zum Image gehört. Aber das ist keine neutrale Verpackung. Das ist eine Verharmlosung. Und Verharmlosung ist nie harmlos. Sie sorgt dafür, dass Menschen abstumpfen. Dass sie sich dran gewöhnen. Dass sie irgendwann nicht mehr merken, wie viel Abwertung da eigentlich mitläuft. Ich finde auch, dass der Erfolg solcher Gruppen eine ziemlich deutliche Botschaft sendet: Männliche Gewalt ist in dieser Kultur immer noch viel zu oft marktfähig. Sobald sie laut genug ist und von den richtigen Typen kommt, wird sie nicht als Gefahr gelesen, sondern als Entertainment. Genau das ist so widerlich daran. Denn die Frauen, die in solchen Texten und solchen Bildern erniedrigt werden, sind ja nicht einfach nur Zuschauerinnen eines Showprogramms. Sie leben in einer Kultur, in der diese Sprache ganz konkret mitprägt, was als normal, witzig, sexy oder eben als angeblich cool gilt. Und das bleibt nicht im Song stehen. Das sickert rein.
Für mich ist das auch der Grund, warum Feminismus so oft als „zu extrem“ markiert wird. Weil er den Laden stört. Weil er sagt: Nein, das ist nicht normal. Nein, Gewalt ist nicht cool. Nein, Frauenverachtung ist kein Stilmittel, sondern ein Problem. Nein, Homophobie ist nicht einfach nur ein Spruch. Und genau diese Klarheit macht viele Leute nervös, die lieber weiter konsumieren wollen, ohne sich schuldig fühlen zu müssen. Also wird lieber die Kritik angegriffen als das Verhalten selbst. Das ist billiger. Und bequemer. Aber es ändert nichts daran, dass Männer wie diese auf Kosten anderer groß gemacht werden. Ich finde es auch wichtig, ganz klar zu sagen: Es geht hier nicht um ein paar einzelne Entgleisungen. Es geht um ein System. Um ein System, das Männer dafür belohnt, wenn sie laut, aggressiv, abwertend und unangreifbar auftreten. Um ein System, in dem Frauen gleichzeitig mehr erklären, mehr aushalten und weniger Raum bekommen. Um ein System, in dem queere Menschen als Beleidigung herhalten müssen, damit irgendein Typ sich männlich fühlen kann. Und um ein System, in dem man Täterbilder ständig neu auflädt, weil sie sich gut vermarkten lassen.
Gerade deshalb finde ich den Erfolg der 187 Straßenbande so bitter. Nicht, weil ich überrascht wäre, dass sowas funktioniert. Sondern weil es so gut funktioniert. Weil so viele Menschen bereit sind, genau diese Art von Männlichkeit mitzutragen. Weil es anscheinend leichter ist, Männer zu feiern, die sich als hart inszenieren, als die Strukturen zu hinterfragen, die diese Härte überhaupt erst attraktiv machen. Und ja, das ist patriarchal. Nicht im abstrakten Sinn, sondern ganz konkret. Es ist ein System, das männliche Aggression aufwertet und weibliche Kritik abwertet. Und dann soll man bitte noch freundlich bleiben, wenn man das anspricht? Nein. Ich finde, man muss das klar und deutlich sagen: Das hier ist kein harmlosesr rap sondern eine Kultur, die Gewalt und Frauenfeindlichkeit normal macht. Sie macht aus Tätern Bühnenfiguren und aus Widerstand angeblich Übertreibung. Sie erzählt Jungen und Männern, dass Härte wertvoll sei, und Mädchen und Frauen, dass sie damit eben leben müssten. Und genau da liegt für mich die eigentliche Obszönität. Nicht im Text allein. Sondern darin, dass so viele bereit sind, ihn mitzutragen.
Fazit
Für mich zeigt die 187 Straßenbande vor allem, wie normal Gewalt, Frauenverachtung und Homophobie gemacht werden können, wenn sie laut genug und als Stil verkauft werden. Das ist nicht einfach nur Musik, sondern ein patriarchales Männerbild, das andere kleinmacht, um selbst größer zu wirken. Noch bitterer finde ich, dass das alles so gut funktioniert, weil so viele Menschen es mittragen. Genau darin liegt das eigentliche Problem: nicht nur bei den Männern auf der Bühne, sondern in einer Gesellschaft, die solche Bilder immer wieder feiert.
Absolut gut recherchierter Artikel der wirklich wütend macht. Ich liebe den Schreibstil!
Danke dir, freut mich wirklich sehr zu hören!
Das hast du wirklich sehr sehr schön geschrieben, es geht überhaupt nicht wenn Männer so ihre Frauen behandeln.