Zerfall in Echtzeit

Das Zimmer flimmert im Licht des Fernsehers,
lautlos,
als hätte selbst der Ton beschlossen,
mich nicht mehr zu erreichen.

Auf dem Tisch steht ein Kaffee,
seit Stunden unberührt.
Ein blasser Film liegt auf der Oberfläche,
dünn wie die Schicht
zwischen Funktionieren
und Zerfall.

Draußen gleiten beleuchtete Fenster vorbei,
warme Rechtecke in fremden Leben,
hinter denen Menschen existieren,
als wäre Nähe etwas Selbstverständliches.

Und hier drinnen
sitzt mein Körper
wie ein zurückgelassener Gegenstand im Raum
anwesend,
aber von nichts mehr wirklich bewohnt.

Die Schatten an der Wand
werden länger mit jeder Stunde.
Sie kriechen langsam über das Zimmer,
als hätten sie Zeit genug,
mich vollständig einzunehmen.

Ich sehe ihnen dabei zu
und frage mich,
wann genau ein Mensch beginnt,
sich so gründlich an seine eigene Leere zu gewöhnen,
dass sie sich irgendwann
wie Persönlichkeit anfühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert